So war der Dienstag mit Scorpions, Europe und Crystal Ball

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Die Aussichten auf Tag 1 des Jubiläumsfestivals sahen nicht wirklich rosig aus. Gewitter- und Sturmwarnungen waren im Vorfeld ein mindestens so grosses Gesprächsthema wie die Bands selbst. Zum Glück zog das Unwetter jedoch wie so oft einen Kreis um Schaffhausen und die Stromgitarren konnten ohne nennenswerten Niederschlag von der Bühne heulen.

Crystal Ball: Ein Leben für die Musik

Die Luzerner Band Crystal Ball lebt für, aber noch nicht komplett von der Musik. Ihren Traum haben sie aber seit 20 Jahren nicht aus den Augen verloren. Gestern konnten sie sich am Eröffnungsabend des 10. Stars in Town mit den Scorpions und Europe die Hauptbühne teilen, wobei vor allem der Headliner schon immer eine grosse Inspirationsquelle für die Schweizer Band war.

Das erste, was man von Crystal Ball in Schaffhausen sieht, ist ein breit grinsender Schlagzeuger mit wunderbarer goldener Mähne. Ihm folgen die restlichen Musiker, allen voran Sänger Steven Mageney. 2013 stiess der Wuppertaler zur Formation. Mit rotem Sakko und Sonnenbrille gibt er das Tempo vor. Beim Auftritt von Crystal Ball ist auf dem bereits sehr gut gefüllten Platz alles dabei. Wehende Mähnen treffen auf zweistimmige Gitarrensoli und einen Entertainer in schwarzen Lederhosen am Mikrofon.

Europe: Hier fliesst der Rock durch die Adern

Diese Bühnenpräsenz kann man sich nur durch jahrelange Erfahrung erspielen. Europe-Sänger Joey Tempest tritt hinters Mikrofon und es umweht ihn sofort die Aura eines Rockstars. Der Schwede trifft noch immer jeden Ton und sprüht vor Energie. Für Schaffhausen hat er sich sogar noch einige Insider-Sprüche angeeignet. So lobt er mit den Worten Bloss e chlini Stadt – what a great festival das Stars in Town.

Die Line-Up-Abfolge des Eröffnungsabends ist clever gewählt. Bei Europe stehen Crystal Ball inmitten des Publikums und singen deren Texte mit, Europe wiederum erzählen, dass sie mit Bands wie Thin Lizzy, Deep Purple und den Scorpions aufgewachsen sind. Der Herrenacker vereint die verschiedenen Rock-Generationen harmonisch miteinander. Nicht nur Hits wie Rock The Night oder Carrie kommen beim Schaffhauser Publikum gut an, auch die schnellen Songs mit hohem Keyboard-Anteil sorgen für ein Meer an Händen in der Luft. Aber einen besseren Abschluss für ein Konzert, als den Überhit The Final Countdown gibt es wohl kaum.

Scorpions: Melodien für die Ewigkeit

Seit 2010 haben schon viele Bands ihre Hymnen auf den Herrenacker gebracht. Immer wieder ist es ein spezielles Gefühl, diese unsterblichen Songs zwischen den hohen Gebäuden zu hören. Sei es Lady in Black von Uriah Heep, Insomnia von Faithless, Sommer of ’69 von Bryan Adams oder Wind of Change von den Scorpions. Die Formation um Klaus Meine gehört noch heute zu den ganz Grossen im Geschäft. Wer schon die selbst zu Legenden gewordenen Iron Maiden als Vorband im Programm hatte, der hat schon alles erreicht. Die unverkennbare Stimme von Meine kommt vor allem bei der Akustik-Version von Send Me An Angel besonders zu tragen. Beim anschliessenden Wind of Change steht das Schlagzeug passenderweise auf einer Nachbildung der Berliner Mauer. Diese Komposition wird unwiderruflich mit der Wiedervereinigung Deutschlands in den Köpfen der Menschen bleiben und beim ersten Pfeifen erkennt sie jeder.

Doch nach zwei Balladen wollen die Headliner zeigen, dass die ruhigen Songs im Set eher Ausnahmen sind. Mit einem wilden Medley und einem ausufernden Schlagzeug-Solo befeuern die Scorpions den vollgepackten Herrenacker. Zum Abschluss gibt es als Zugabe mit Rock You Like A Hurricane den Sturm, wie er sein soll – nämlich von der Bühne und nicht vom Himmel. Der Eröffnungsabend der Jubiläumsausgabe ist mit Wetterglück und grossen Hymnen zu Ende gegangen.

Fotos: Julius Hatt, Patrick Casutt 
Video: Pascal Scheiber & Noah Zygmont
Text: Christian Meier