So war der Donnerstag mit Joss Stone, Anastacia und KT Tunstall

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Die Vorzeichen für den Damenabend mit Joss Stone, Anastacia und KT Tunstall sahen nicht gerade rosig aus. Sturmböen, Regen und Gewitter schienen noch am Nachmittag aufzuziehen. Ganz so tragisch war es am Ende zum Glück nicht. Zwar regnete es kurz vor Türöffnung ziemlich stark, doch bereits bei KT Tunstall hatte der Niederschlag etwas nachgelassen. Einem Feuerwerk an Weiblichkeit stand also nichts mehr im Weg

KT Tunstall: Die Ein-Frau-Armee

Mit viel Witz und Charme konnte die Schottin das Publikum in ihren Bann ziehen. Mit einer Schweizerdeutschen Ansage hatte sie das Eis binnen Sekunden gebrochen. Als sie anschliessend meinte: Ich bin aus Schottland und habe den Regen mitgebracht. Ich wollte, dass ihr euch fühlt wie auf einem schottischen Festival war auch das schlechte Wetter vergessen. Zwischen ihren Songs unterhielt die Solokünstlerin die Zuschauer auf dem Herrenacker mit köstlichen Anekdoten. Der Hit Black Horse and the Cherry Tree wurde mit einer Ausgehgeschichte angekündigt. Ein perfekter Ausgang ende mit Freunden in der Karaoke-Bar, während man Faith von George Michael singe. Ein noch perfekterer könne es nur werden, wenn ein Titel von sich selbst im Karaoke-Buch stehe. Auch sonst hatte die nur mit Loop-Gerät und verschiedenen Gitarren ausgerüstete Musikerin zahlreiche Hits in Petto. Wenn es nicht die eigenen wie It Took Me So Long oder das Schlussstück Suddenly I See waren, so coverte sie mit I Won’t Back Down auch mal Tom Petty, um dessen Message weiterzutragen.

Anastacia: Eine Diva mit Herz

Als Anastacia die Bühne betrat, sah sie genau so aus, wie man sie erwartet. Sonnenbrille, Jeans-Jacke und ein enges Oberteil, das nicht mit Reizen geizte. Nach dem Auftakt mit Left Outside Alone und einstudierten Choreografien lockerte sie die Show immer weiter auf. Das divenhafte fiel Stück für Stück von ihr ab und sie überliess auch ihren Gesangskolleginnen und Mitmusiker genügend Raum auf der Bühne. Funk-Einlagen mit Songs von Prince oder den Red Hot Chili Peppers hatten ebenso Platz wie Latino-Feeling. Zwischenzeitlich wurde die Sängerin aber auch ernst. Dann nämlich als sie die aktuelle politische Weltlage und ihren Kampf gegen den Krebs zur Sprache brachte. Alleine diese Performance und Stilmischung hätte zu einem grandiosen Auftritt gereicht. Aber Anastacia hat ja auch noch immer eine Unmengen an Hits mit im Gepäck. So sorgte sie mit Paid My Dues und abschliessend mit I’m Outta Love für die bisher wohl grösste Publikumsbeteiligung an der diesjährigen Ausgabe von Stars in Town. Ganz zum Ende machte sie sogar noch Werbung für den folgenden Auftritt von Joss Stone. So funktioniert Frauenpower. Miteinander statt gegeneinander.

Joss Stone und der Pegasus-Effekt

Zugegeben, der Vergleich ist nicht ganz passend. Aber der Auftritt von Joss Stone erinnerte trotzdem etwas an 2015. Damals spielten Pegasus vor dem grossen Headliner Sunrise Avenue. Die Chemie zwischen der Band und dem Schaffhauser Publikum war magisch und die Stimmung grandios. Danach konnten die Finnen nur noch verlieren. Als der Funke nicht gleich übersprang, wirkten Samu Haber und seine Jungs etwas konsterniert und schienen nicht mehr alles zu geben. 2018 ist das etwas anderes. Anastacia galt nicht wirklich als Underdog. Sie schaffte es aber auch durch ihren Mix und ihre Persönlichkeit, Schwung in die Hüften der eher zurückhaltenden Schaffhauser zu bringen. Schon nach dieser Performance war klar, dass es Joss Stone nicht leicht haben würde. Die blonde Sängerin hat zwar eine gewaltige Ausstrahlung und eine tolle Stimme, aber ihr eher ruhiger Soul-Sound konnte nach diesem Energiebündel einfach nicht mehr richtig zünden. In einem anderen Umfeld hätte die Engländerin bestimmt verzaubern können. Doch auch das gehört zur Musik. Die Magie eines Konzertes hängt nicht davon ab, wie gross ein Name ist, sondern ist an verschiedenste Faktoren geknüpft. Vielleicht finden Schaffhausen und Joss Stone sich zu einem anderen Zeitpunkt. Dann funktioniert bestimmt auch das Mitsummen auf Anhieb. Die wahren Joss-Stone-Fans sind in den vorderen Reihen bestimmt auf ihre Kosten gekommen. Spätestens als die Sängerin zum Ende des Konzerts den Fans Sonnenblumen zuwarf.